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Team Shandong

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Repräsentanzbüro Shandong

Projektziele

Um die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Landbevölkerung zu verbessern und gleichzeitig zu einem Gleichgewicht zwischen Stadt und Land beizutragen, haben wir uns die nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume in China zum Ziel gesetzt. Hierbei sind Beiträge zu Räumlicher Gerechtigkeit, Verfahrensgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit von zentraler Bedeutung.

Projektbeschreibung

Armut im ländlichen Raum ist in China nach wie vor ein wichtiges Thema. Noch immer leben rund 30 Millionen Chinesen unterhalb der Armutsgrenze von weniger als zwei Dollar am Tag (Weltbank). Seit dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik 1978 hat das Land sehr erfolgreiche Strategien zur Armutsbekämpfung entwickelt und konnte über 60 Millionen Menschen aus der Armut helfen. Die bisher rein ökonomische Ausrichtung ist jedoch nicht langfristig zielführend. Um eine ausgewogene soziale, ökologische und ökonomische Entwicklung zu erreichen, unterstützt die Hanns-Seidel-Stiftung China bereits seit über 30 Jahren mit struktureller und methodischer Erfahrung aus Bayern. Hierbei haben wir stets die drei Ebenen Menschen, Politik und Wissenschaft im Blick:

Menschen
In Dörfern der Provinzen Shandong, Sichuan, Jiangxi, und Ningxia haben wir Pilotprojekte gestartet, die in eine Raumordnerische Vorgabe eingebunden sind. Mit dem Ansatz der integrierten Ländlichen Entwicklung entwickeln unsere Experten individuell angepasste Strategien, die langfristig zu Armutsminderung, einem diversifiziertem Arbeitsmarkt und insgesamt verbesserten Lebensverhältnissen führen. Unser besonderes Augenmerk gilt hierbei der Beteiligung der Bürger, die ihren Lebensraum aktiv unter Beachtung des Schutzes der Umweltgüter mitgestalten sollen. Die Erkenntnisse aus unseren Pilotprojekten kommen schließlich nicht nur den Menschen auf dem Land zu Gute, sondern führen auch zu nachhaltigen Veränderungen in Politik und Wissenschaft.

Politik und Verwaltung
Unsere Erfahrungen aus Bayern und China werden auch auf politischer Ebene sehr geschätzt. So sind unsere Experten beratend tätig und stellen ihr Wissen auf Delegationsreisen, Seminaren und Workshops in beiden Ländern zur Verfügung. Verwaltungen und politische Entscheider nehmen direkten Einfluss auf die Weiterentwicklung und Anwendung gewonnener Erkenntnisse. Unsere Kooperationspartner auf hoher Ministerialebene lassen das gewonnene Wissen unmittelbar in ihre normengebende Arbeit mit einfließen.

Wissenschaft
In Form von internationalen Symposien, Fachtagungen und Publikationen findet zudem ein Wissens- und Methodentransfer auf wissenschaftlicher Ebene statt. Die Hanns-Seidel-Stiftung beteiligt sich am chinesischen Wissenschaftsdiskurs zu Ländlicher Entwicklung und unterstützt den Austausch und die Vernetzung chinesischer, deutscher und internationaler Wissenschaftler. Zum wissenschaftlichen Austausch werden auch Vertreter der Politik eingeladen um einen offenen Diskursraum zu gestalten. Die hieraus entstandenen Theorien und Konzepte bereichern schließlich wiederum die Arbeit unserer politischen Partner und mittelbar das Leben der Menschen in Chinas Landregionen.

 

Das BBZ/BFZ Pingdu nimmt im Rahmen der Berufsbildungsprojekte in China eine Sonderrolle ein. Zusammen mit dem Projekt der Dorf- und Flurentwicklung Nanzhanglou wurde gleichzeitig auf die berufliche Aus- und Weiterbildung gesetzt. Es war absehbar, dass mit der Erhöhung der Produktivität in der Landwirtschaft auch viele Arbeitskräfte freigesetzt werden. Ziel war es eine Abwanderung der Bevölkerung zu verhindern und eine Wertschöpfung außerhalb der Landwirtschaft zu ermöglichen. Die Wahl fiel auf eine berufsbildende Schule in Pingdu (Bezirk Qingdao), die bereits Erfahrungen im Bereich landwirtschaftlicher Berufe hatte. Aus dieser Rolle heraus engagiert sich das BBZ Pingdu neben technischen handwerklichen Berufen vor allem auch für Berufe im Zusammenhang mit der Entwicklung ländlicher Räume. Moderne Landwirtschaft oder Berufe, die eine weitere Wertschöpfung ermöglichen, stehen dabei im Fokus der Ausbildung.

 

Entwicklung des BBZ Pingdu

Die Entwicklung und strategische Weiterentwicklung des BBZ/BFZ Pingdu erfolgte in mehreren Stufen:

  • Aufbau von Lehrwerkstätten
  • Lehrerqualifizierung und Ausbildung von Lehrern in Deutschland
  • Entwicklung von Curricula gemeinsam mit Experten aus Deutschland
  • Training und Weiterbildung von Lehrern in China durch Lehrer aus Deutschland
  • Ausweitung der Ausbildungsberufe im Rahmen der Kooperation
  • Entwicklung von Schulpartnerschaften
  • Einführung von Qualitätsmanagement für berufliche Bildung
  • Entwicklung eines Angebotes, das über die Grenzen des Bezirks Qingdao hinausreicht.

 

Beiträge zur gesellschaftspolitischen Entwicklung

Im Rahmen der Entwicklung des BBZ/BFZ Pingdu wurden auch Beiträge zu einer gesellschaftspolitischen Entwicklung geleistet. Durch die Förderung und strategische Weiterentwicklung der Schule wurden Aspekte eingebracht, die zu einer Bildungsreform auf lokaler Ebene beigetragen haben. So wurde mit der Durchlässigkeit der Schulsysteme experimentiert aber auch ein inter-institutioneller Dialog angestoßen. Durch die gezielte Ausrichtung des Bildungsangebotes auf die Notwendigkeit zur Entwicklung Ländlicher Räume konnten wesentliche Beiträge in diesem Bereich geleistet werden. Hier ist vor allem die Armutsbekämpfung durch verbesserte Wertschöpfung zu nennen. Dies trägt dazu bei, ländliche Räume zu stabilisieren. Wichtig ist hier die horizontale und vertikale Vernetzung von Akteuren.

 

Pingduer Modell zur Dualen Berufsausbildung mit Staatspreis ausgezeichnet

Das BBZ Pingdu hat im Jahr 2018 im nationalen Wettbewerb einen staatlichen Sonderpreis für Unterrichtsleistungen errungen.

Es ist das erste Mal, dass eine berufliche Schule in Shandong den Sonderpreis verliehen bekommen hat. Gegenstand des Preises ist das „Pingduer Modell“. Die Dokumentation wurde unter dem Titel “Forschung und Realisierung einer Unterrichtsreform an einer Berufsschule, die zur Weiterentwicklung der Landwirtschaft sowie des ländlichen Raums und deren Bewohner beiträgt” eingereicht. Diese umfasst eine Ergebnissammlung der 30-jährigen Kooperation für duale Berufsausbildung mit der Hanns-Seidel-Stiftung.

Im Rahmen des staatlichen Programms zur integrierten Reform von Mittel- und Kleinstädten entwickelt die Schule ihr „duales“ Modell kontinuierlich weiter. Damit entstand Schritt für Schritt das in der Dokumentation beschriebene „Pingduer Modell“, welches Berufsbildung, Forschung, Produktion und Erziehung integriert. Damit konnte das BBZ Pingdu eine Vielzahl von Beiträgen im Berufsbildungssektor leisten. Zu nennen sind hier vor allem:

  • Kontinuierliche Personal- und Kompetenzentwicklung für Erneuerung und Wachstum der regionalen Wirtschaft
  • Förderung der Umwandlung und Aufwertung der Landwirtschaft, des ländlichen Raumes und seiner Bewohner

Das BBZ/BFZ Pingdu schaffte es mit diesem Preis in das chinesische Fernsehen, als in einer themenspezifischen Nachrichtensendung des CCTV1 darüber berichtet wurde. Auch die nationale Zeitung People‘s Daily veröffentlichte bereits Artikel über das BBZ

 

Arbeit über Grenzen hinweg

China hat bekundet, zunehmend mehr internationale Verantwortung zu übernehmen und andere asiatische Staaten von seinen Erfahrungen und Wissen profitieren zu lassen. Aus der bisher chinesisch-deutschen bilateralen Zusammenarbeit ist ein trilaterales Projekt entstanden. Dieses entspricht ebenfalls der neuen Entwicklungsstrategie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Bei einem Besuch von Bundesminister Dr. Gerd Müller am Berufsbildungszentrum Pingdu in der Provinz Shandong im Rahmen einer Chinareise, zeigte er sich sehr beeindruckt von den Fähigkeiten, die die Schule in den letzten dreißig Jahren im Rahmen der bilateralen Kooperation aufgebaut hat. Es entstand die Idee, dass die Berufsschule in die Aktivitäten des, 2017 gegründeten, Chinesisch-Deutschen Zentrums für Nachhaltige Entwicklung (ZNE) in Peking eingebunden wird.

Auf Basis dieser Idee luden die HSS, die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und das Berufsbildungszentrum Pingdu Berufsschullehrer/innen aus Laos zur Fortbildung nach China ein. Dieser Ansatz hat sich verstetigt und soll nun auch auf einer digitalen Plattform ausgebaut und weiterentwickelt werden.

Die Fortbildungen wurden von Experten des BFZ  Pingdu und der Universität Qingdao abgehalten. Das Berufsbildungszentrum Pingdu kann auf eine langjährige Erfahrung bei der Ausbildung ländlicher Berufe zurückblicken. Hierbei liegen die Stärken der Berufsschule insbesondere in den Bereichen der Produktion und Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, sowie der Lehrerausbildung. Für Laos hochinteressant, denn das Land steht zurzeit vor der enormen Herausforderung, den Berufsbildungssektor an die aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen anzupassen. Andere Länder haben im Rahmen des berufspolitischen Dialogs in Asien von diesem Ansatz erfahren und sind an einer Kooperation interessiert.

Wissen weitergeben – Vom Lernenden zum Befähigenden
Warum das Berufsbildungszentrum Pingdu kostenfrei Räumlichkeiten und Infrastruktur zur Verfügung gestellt hat, hat der Schulleiter Hr. ZHU wie folgt begründet: „Vor 30 Jahren war China in einer ähnlichen Situation und hat Hilfe aus Deutschland erhalten. Nun ist es an uns, anderen Ländern in ähnlicher Situation zu helfen.“
 

Wie kann eine Fortentwicklung aussehen?

Die institutionelle Vernetzung des BBZ/BFZ Pingdu muss ausgeweitet werden. Dabei muss noch mehr als bisher in strategische Kooperationen investiert werden. Die Einbindung der Aktivitäten des BBZ/BFZ Pingdu in das Chinesisch-Deutsche Zentrum für nachhaltige Entwicklung soll dazu genutzt werden, einerseits Erfahrungen und Wissen zu vermitteln, aber auch im Dialog mit anderen Ländern neue Ideen und Ausbildungsstrategien für China zu entwickeln. Auch der Ausbau des internationalen Zentrums am BBZ/BFZ Pingdu und dessen Weiterentwicklung sind wichtige Bausteine einer Fortführung der Kooperation.

Kontakt
Projektleitung: Dr. Michael Klaus
China
Projektleitung:  Dr. Michael Klaus
E-Mail: klaus@hss.de
Projektmanagerin: ZHANG Wenjun
China
Projektmanagerin:  ZHANG Wenjun
E-Mail: Zhang-W@hss.d
Projektmanager: Maximilian Melle
China
Projektmanager:  Maximilian Melle
E-Mail: melle@hss.de
Office Managerin: YANG Hong
China
Office Managerin:  YANG Hong
E-Mail: Hong-Y@hss.de

Anschrift

Hanns-Seidel-Stiftung e.V.
Chinesisch-Deutsches Bildungs- und Forschungszentrum
für Flurneuordnung und Landentwicklung
Ling Long Shan Nan Lu 7399
262500 Qingzhou
VR China