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Holger Magel feiert 80. Geburtstag
Langjähriger akademischer Berater der Projektkomponente nachhaltige Entwicklung Ländlicher Räume feiert ein Jubiläum

Am 3. Mai 2024 feierte Univ. Prof. EoE Dr.-Ing. Holger Magel seinen 80. Geburtstag. Im Rahmen eines Ehrenkolloquiums der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum wurde am 6. Mai 2024 sein Lebenswerk gewürdigt. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber betonte in ihrer Festrede auch das Engagement von Prof. Magel in China. Mit dem Pilotprojekt Nanzhanglou (Provinz Shandong) habe er einen wichtigen Beitrag zur Partnerschaft Bayern Shandong geleistet und sei so zum Wegbereiter der ländlichen Entwicklung in China geworden.

Holger Magel, Juli 2024 in China

Holger Magel, Juli 2024 in China

HSS

Prof. Dr.-Ing. Holger Magel hat in seinem abwechslungsreichen Leben zahlreiche Ämter und Ehrenämter bekleidet, vor allem in der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung (zuletzt als deren Leiter), als Ordinarius des Lehrstuhls für Bodenordnung und Landentwicklung an der Technischen Universität München (TUM), aber auch Funktionen in der Selbstverwaltung der TUM und im Förderkreis Bodenordnung und Landentwicklung München, in der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum sowie im Deutschen Verein für Vermessungswesen und dessen übergeordnetem Weltverband International Federation of Surveyors (FIG), dessen Präsident er von 2003 bis 2006 war und dem er als Ehrenpräsident weiterhin verbunden ist. Die Vernetzung in diesen Institutionen kam und kommt auch der Projektarbeit in China zugute. Sie ist in diese Netzwerke eingebunden, kann auf die dort vorhandene Expertise zurückgreifen und trägt damit zur Internationalisierung dieses Projektes bei.

Über Jahrzehnte hinweg war Prof. Holger Magel Wegbereiter und Vordenker vieler wichtiger Entwicklungen für den ländlichen Raum. Er hat nicht nur den Übergang von der ehemals rein landwirtschaftlich orientierten Flurbereinigungsverwaltung zu einer umfassenden Landentwicklungsverwaltung in Bayern begleitet und gestaltet, sondern war unter anderem auch Initiator des 1981 ins Leben gerufenen Bayerischen Dorferneuerungsprogramms. Dabei hat er die Dorferneuerung von Anfang an nie nur als bauliches Konzept verstanden, sondern Bürgerbeteiligung, Dorfphilosophie und Leitbildarbeit als elementare Bausteine angesehen und eingefordert. Dieser ganzheitliche Ansatz der Dorf-, Gemeinde- und Regionalentwicklung wird auch in der Projektarbeit in China umgesetzt.

Magel, der sich im Rahmen seiner Professur an der TU München mit Theorien, Methoden und Prozessen der nachhaltigen Dorferneuerung, der partizipativen Landschaftsplanung, der Kommunalentwicklung und Landnutzungsplanung sowie vor allem im internationalen Kontext mit Theorien und Konzepten des nachhaltigen Landmanagements beschäftigte, war bis 2019 auch Präsident und ist nun Ehrenpräsident der renommierten Bayerischen Akademie Ländlicher Raum. Eine seiner herausragenden Leistungen für die ländlichen Räume Europas ist die Entwicklung des Leitbildes der „räumlichen Gerechtigkeit“, das die Notwendigkeit nicht gleichartiger, sondern gleichwertiger Bedingungen für Stadt und Land postuliert.

All diese Ansätze sind Leitplanken der Projektarbeit des Repräsentationsbüros Shandong der Hanns-Seidel-Stiftung in China, die gemeinsam mit Partnern vor Ort auf den chinesischen Kontext übertragen und wissenschaftlich begleitet werden. Die nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume war und ist eine Herzensangelegenheit von Holger Magel. Sie leitet auch sein kontinuierliches Engagement in China als Berater in der Projektarbeit, aber auch als Berater von Partnern. Holger Magel trägt in China den Ehrentitel „Lao Ma“ (etwa „Ehrwürdiger Herr Ma[gel]“). Auf der Basis eines Vertrauensverhältnisses, das sich in einem Dialog auf Augenhöhe gefestigt hat, findet er Gehör und kann Probleme und manchmal auch unbequeme Wahrheiten transportieren, aber auch Anregungen für neue Inhalte geben.

Prof. Magel hat in seinem Beitrag "Wahre Geschichten aus einem bayerischen Geodätenleben"[1] seine Sicht auf die Entstehungsgeschichte der aktuellen HSS-Projektkomponente "Nachhaltige Entwicklung Ländlicher Räume" beschrieben: In der Zusammenfassung internationaler Projekte, die er im Rahmen der Verwaltung für Ländliche Entwicklung des Freistaates Bayern und auch in seiner Funktion als Ordinarius des Lehrstuhls für Bodenordnung und Landentwicklung der Technischen Universität München initiieren und begleiten durfte, stellt er in Bezug auf das Projekt Nanzhanglou (als Keimzelle der aktuellen Projektkomponente Nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume) fest: „Was wir aus dieser Geschichte lernen können, ist schlicht die Erkenntnis, dass Projekte sorgfältig(er) vorbereitet und die machtpolitischen, wirtschaftlichen und administrativen Gegebenheiten vor Ort studiert werden müssen. Spontanes, oft auch intuitives Handeln vor Ort wird immer notwendig sein - aber es ist gut, wenn man es mit solidem Hintergrundwissen tun kann. Deshalb hat der Hochschullehrer Holger Magel immer wieder gepredigt: Der geodätische Landentwickler muss ein sattelfester spezialisierter Generalist sein. Und man muss das Glück und den langen Atem haben, auf einen chinesischen Entscheidungsträger zu treffen, der bei allem Bekenntnis zum Kommunismus und zur Partei durch seine Aufenthalte in Europa offener geworden ist für europäische diskursive Argumentationen und Werte. Allein dies spricht für eine Fortsetzung der deutsch-chinesischen Kontakte und Besuche“ (Magel 2023, S. 131, siehe Fußnote).

Die politische Unterstützung und Einbindung der Wissenschaft, aber auch die internationale Verankerung spielen eine wichtige Rolle, um nationale Ergebnisse auch in einen internationalen Diskurs auf Augenhöhe einzubringen und damit anderen Ländern bzw. Akteuren die Möglichkeit zu geben, Lösungsansätze aufzugreifen.

 

Prof. Holger Magel lebt die Auffassung, dass eine nachhaltige und lebenswerte Entwicklung ländlicher Räume auch in globaler Perspektive sehr wichtig ist und eine hohe gesellschaftspolitische Bedeutung hat.

 

Es war uns eine Ehre, dass Holger Magel an der 5. Akademischen Summer School (1.-5. Juli 2024 in Hangzhou), einem von ihm maßgeblich mitinitiierten internationalen wissenschaftlichen Austausch, mit einer Keynote Speech teilgenommen und mit seinen Konferenzzusammenfassungen neue Impulse gesetzt hat. Auch bei zwei weiteren Fachdialogen (am 8. Juli 2024 im Ministerium für natürliche Ressourcen der Provinz Shandong und am 9. Juli 2024 im Land Consolidation and Rehabilitation (LCRC) des nationalen Ministeriums für natürliche Ressourcen) unterstützte er die Arbeit des HSS Büros Shandong mit Keynote Speeches. Im Rahmen der Veranstaltung am LCRC würdigte der neue Generaldirektor des LCRC, CHEN Xianbin, das langjährige Engagement von Prof. Magel in China.

Wir wünschen Prof. Magel weiterhin viel Gesundheit.

Verfasser: Michael Klaus

 


[1] Magel, H. (2023): Wahre Geschichten aus einem bayerischen Geodätenleben. In: Mitteilungsblatt DVW-Bayern e.V., 75. Jg., Heft 2/2023, S. 125–138.