HSS Altstipendiaten in Ganzhou, Provinz Jiangxi
Informationen über die natürliche ökologische Entwicklung und die Revitalisierung des Landes
Geteerte Straße, die zum Projektgebiet führt.
Am 21. hielt der Bus langsam an der Hauptstraße und auf Einladung des Direktors Luo Qun vom Amt für natürliche Ressource des Kreises Anyuan stieg die Gruppe aus und ging die Landstraße entlang. Zur Zeit der Sommersonnenwende war der Himmel hoch und ein wenig bewölkt, Vögel und Zikaden sangen, der Fluss gluckste, die Vegetation war üppig, die Reisfelder grün, die Berge waren von Häusern umgeben und in der Ferne hörte man Hunde und Hühner. Beim Anblick dieser Szenerie konnte man sich des Ausrufs nicht erwehren: "Irgendwie habe ich das Gefühl, auf einer Landstraße in Süddeutschland zu laufen". Nach einigen hundert Metern erreichte die Gruppe das Dorf Hugang am Fuße des Berges Sanbaishan.
Der Prozess der Flurbereinigung dauert etwa 10 Jahre und vor allem in der Anfangsphase wurde viel Forschung und Planung betrieben, um einen reibungslosen Ablauf des Projekts in der Zukunft zu gewährleisten. Dr. Michael Klaus, Chefrepräsentant des HSS Repräsentanzbüros Shandong, erklärte: "Das Pilotprojekt Flurbereinigung und ländliche Entwicklung in Sanbaishan wurde offiziell im Jahr 2014 gestartet. Während der Voruntersuchungen und der Planung legte das Projektteam großen Wert auf die Beteiligung der lokalen Bevölkerung und sammelte in Gesprächen mit verschiedenen Interessengruppen wie Anwohnern und Schülern Erwartungen und Meinungen zum Projekt, und viele dieser Ideen wurden in diesem Projektgebiet umgesetzt.“
Heute ist das Dorf Hugang ein nationales Pilotversuchsdorf für eine umfassende ländliche Reform. „Damals besuchten wir alle Dörfer, die mit dem Projekt in Verbindung standen, befragten etwa 700 Bewohner und sammelten fast 10.000 Vorschläge“, fügte Direktor Luo hinzu. Dr. Klaus erzählte eine weitere interessante Erfahrung: „Eines der Probleme, die wir hier mit der Sprache hatten, war, dass die älteren Einheimischen kein Mandarin sprechen. Also nehmen wir immer einen Einheimischen mit und übersetzen den Dialekt ins Mandarin, dann übersetzen wir das Mandarin ins Deutsche und dann wieder zurück.“
Direktor Luo Qun stellt das Projektgebiet vor.
Im Ort können viele Details der ökologischen Erhaltung gesehen werden. Als er die Gruppe zum Dorfparkplatz führte, erklärte Dr. Klaus weiter: „Zum Beispiel wächst auf diesem Parkplatz unter den Grasparksteinen echtes Gras, was einerseits schön aussieht und andererseits kann auch Wasser abfließen. Bei einigen herkömmlichen Parkplätzen mit Grasparksteinen wird der Boden mit Beton ausgegossen und dann Rasen und Parkhaussteine daraufgelegt, was zur Folge hat, dass das Wasser nicht in den Boden eindringen kann. Es ist zum Beispiel auch wichtig zu lernen, wie man Flüsse öffnet und natürliche Gebiete wiederherstellt. Dank der Bemühungen der zuständigen Behörden hat das Projektteam unter Wahrung der natürlichen Form des Flusses eine natürliche Ausdehnung und Umleitung in seinem Oberlauf gewählt, um den Wasserfluss zu verlangsamen, so dass bei stärkeren Regenfällen keine Sicherheitsrisiken durch den beschleunigten Abfluss von Wasser aus dem Oberlauf entstehen, der einen Wasserschwall im Unterlauf verursachen würde.“Anschließend fuhr die Gruppe zum Freizeit- und Tourismus-Demonstrationspark des Kreises Anyuan.
Direktor Luo wies in der Ferne auf ein riesiges durchsichtiges Insektenschutznetz über einem Wald von Navel-Orangen hin, während in den nahe gelegenen Obst- und Gemüsegewächshäusern Passionsfrüchte gepflanzt wurden. Die Navel-Orangen aus Anyuan sind Chinaweit bekannt und Passionsfrüchte sind einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Dorf Hugang. Heutzutage werden diese Früchte nicht nur im Inland zum Beispiel nach Guangdong verkauft, sondern auch in Länder wie Australien exportiert. Direktor Luo sagte, dass die Bewohner des Dorfes immer noch erforschen und experimentieren, wie sie den Anbau der lokalen Nutzpflanzen optimieren können, um den Ertrag zu maximieren.
Nach der Besichtigung des Gewächshauses, folgte die Gruppe Direktor Luo zu einem weiteren Dorf im Projektgebiet der Sanbaishan Berge - dem Dorf Zuixia. Auf der sauberen und flachen Asphaltstraße waren üppige grüne Wälder und schön verputzte Wohnhäuser zu sehen, der ländliche Charme war spürbar, der Wind wehte – es wurden viele Erinnerungsfotos gemacht. Die Regenbogen-Hängebrücke, der Kinderspielplatz, die Brücke über den Fluss, die Parkplätze, die öffentlichen Toiletten und andere zusätzliche Dienstleistungen und Einrichtungen vermittelten eine starke Atmosphäre der neuen Landschaft. Entlang des glitzernden Flusses kam die Gruppe zu einer charakteristischen Unterkunft, die auf dem Berg gebaut wurde: dem Lotosherz Gästehaus. Dort konnten wir eine Tasse Tee, wie Orchideen auf der Zunge, genießen – erfrischend!
Als wichtiger Motor für die Wiederbelebung des ländlichen Raums hat der ländliche Tourismus die doppelte Aufgabe, die Wünsche auswärtiger Touristen nach einer angenehmen Auszeit auf dem Lande zu erfüllen und die lokale wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Nach Angaben Direktors Luo nimmt das Dorf Zuixia die Entwicklung der Tourismusindustrie als Hauptlinie, um ein besonderes Markenprojekt zu schaffen, mit dem Ziel "Gäste zu halten und gemeinsamen Wohlstand zu schaffen".
Dongsheng Wei
Die Dorfbewohner werden aktiv mobilisiert, um brachliegendes Land und Wohnressourcen zu revitalisieren, mit "lokalen Hühnern", "lokalem Gemüse" und andere lokale Produkte als Schwerpunkt der Kleintierzucht zu entwickeln. Außerdem werden die sie auch gefördert, aktiv landwirtschaftliche Betriebe und Familienwerkstätten zu gründen, um das Einkommen zu steigern und damit mehr Wohlstand in die Region zu bringen.
Dr. Klaus erläuterte, dass die HSS beim Sanbaishan-Projekt ihren Beitrag in Form von Schulungen zur Flurordnung und ländlichen Entwicklung leistete. Durch die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden - u. a. der Parteihochschule des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas (Nationale Verwaltungsakademie) und dem Jiangxi Applied Technology Vocational College - beteiligte sich die HSS nicht nur an der konkreten Umsetzung der Flurordnung, sondern bot auch fachliche Ausbildung und Talentförderung in relevanten Bereichen an.
Im Jahr 2017 implementierte die chinesische Regierung eine Strategie zur Wiederbelebung des ländlichen Raums. Dr. Klaus ist der Ansicht, dass das Sanbaishan Projekt, das den Ansatz für die Masterplanung der ländlichen Revitalisierung und die verschiedenen Lehren aus der Perspektive der Landschafts- und Ökologieplanung zusammenfasst, Erfahrungen und Hilfestellung bei der Umsetzung der neuen chinesischen Politik zur ländlichen Revitalisierung auch weiterhin bieten wird.
Gruppenfoto in der alten Stadt Ganzhou
Am 22.6. besuchte die Gruppe ein historisches Hakka Gebäude in Anyuan und die umliegenden Projekte zur Flurordnung. Direktor Luo erläuterte, dass das südliche Jiangxi ein Siedlungsgebiet der Hakka ist und allein im Kreis Anyuan mehr als 50 Hakka Häuser stehen. Das wichtigste davon ist das Dongsheng Wei. Mit seiner mehr als 170-jährigen Geschichte ist es ein nationales Schlüsseldenkmal und das größte rechteckige Hakka Haus in China. In der Nähe des Dongsheng Wei Hakka Hauses befindet sich auch das kleinste quadratische Haus des Landes (Misheng Wei) und noch weitere Hakka Haus Anlagen.
Um die Hakka Häuser zu schützen und die Historie zu bewahren, hat der Kreis Anyuan Arbeitskräfte, Material und finanzielle Mittel koordiniert, um die bestehenden Anlagen zu restaurieren und zu schützen. Nach sorgfältigen Bauarbeiten und der kontinuierlichen Verbesserung der Infrastruktur wurde das Gebiet im Dezember 2017 als nationale 5-A-Touristenattraktion (5-A sind Touristenattraktionen, die herausragend sind) eingestuft.
Den Leuten vor Ort zufolge nutzten einige Bewohner, die im Hakka Haus Dongsheng Wei aufgewachsen sind, nicht nur ihr Häuser, um in das Tourismusgebiet zu investieren, sondern blieben auch vor Ort um zu arbeiten, nachdem sie aus dem Hakka Haus ausgezogen waren. Auch einige Wanderarbeiter kehrten in ihre Heimatgemeinde zurück, um ihre eigenen Unternehmen zu gründen, als Dongsheng Wei zu einem Tourismusgebiet ausgebaut wurde.
Nach dem Besuch des Hakka Hauses Dongsheng Wei verließ die Gruppe den Kreis Anyuan mit dem Bus, um nach Ganzhou zurückzukehren. Am Abend waren die Stipendiaten eingeladen, die speziellen Hakka-Gerichte in einem Restaurant zu genießen. Während des Abendessens bedankten sich die Altstipendiaten herzlich bei Frau Debora Tydecks-Zhou und Dr. Michael Klaus, Leiter der HSS Büros Peking und Shandong, und den Kollegen des Repräsentanzbüros Peking und Shandong für die erfolgreiche Organisation der Reise in Ganzhou und würdigten die Rolle, die die HSS als Brücke zwischen China und Deutschland in Bezug auf Kommunikation und Zusammenarbeit spielt.
Am Ende des Treffens erhoben alle gemeinsam die Gläser und wünschten sich eine bessere Zukunft für China und Deutschland.
Autorin: Liang Wen (HSS Altstipendiatin)