EU–China Green Governance Dialogue
Europäische Think Tanks im Austausch mit zentralen chinesischen Institutionen in Beijing und Sichuan
Ein besonderer Höhepunkt war der Austausch mit dem Development Research Center (DRC) des Staatsrats sowie wissenschaftlichen Beraterinnen und Berater des Staatsratsbüros (Counsellors’ Office of the State Council). Dabei standen die saubere und gerechte Energiewende, Governance der Kreislaufwirtschaft, die Reduktion nicht-CO₂-basierter Treibhausgase sowie zukünftige Kooperationsmöglichkeiten zwischen der EU und China im Mittelpunkt. Die Gespräche machten deutlich, wie wichtig transparente Daten, koordinierte Governance-Strukturen und regelmäßiger Wissensaustausch sind, um unterschiedliche Wahrnehmungen zu überbrücken und gegenseitiges Verständnis zu stärken.
Eröffnung durch EU-Botschafter Jorge Toledo
Bei der zentralen Projektkonferenz in Beijing, die von EU-Botschafter Jorge Toledo eröffnet wurde, boten Artur Runge-Metzger und Prof. Dr. Teng Fei einen eindrucksvollen Überblick über die globale und bilaterale Klimaagenda. Sie betonten vier prioritäre Handlungsfelder für die kommenden Jahre:
- Entwicklung des NDC 2035, Anerkennung bestehender Lücken und Initiierung von Maßnahmen zu deren Schließung.
- Vertiefung der gemeinsamen technischen Kapazitätsentwicklung sowie des Austauschs vielversprechender Politiken und Instrumente.
Vortrag durch Prof. Dr. Teng Fei
- Sicherstellung eines offenen und verlässlichen grünen Handels- und Investitionsumfelds, um die globalen Kosten der Transformation zu senken.
- Senkung der Klimafinanzierungs-Risikoprämien in Entwicklungsländern durch innovative gemeinsame Ansätze.
Diese strategischen Leitlinien prägten auch die weiteren Gespräche mit dem Ministerium für natürliche Ressourcen, nationalen Forschungszentren, dem Institute for Global Decarbonization Progress (iGDP) sowie akademischen Einrichtungen. Die Teilnehmenden hoben sowohl Chancen als auch Herausforderungen der EU-China-Klimakooperation hervor – darunter die Bedeutung verlässlicher Daten, sektoraler Dekarbonisierungspfade, Strategien der gerechten Transformation sowie das Spannungsfeld zwischen Energiesicherheit, industrieller Wettbewerbsfähigkeit und langfristigen Klimazielen.
Durch den Feldbesuch in der Provinz Sichuan erhielt die Delegation zudem unmittelbare Einblicke in die praktische Umsetzung der chinesischen Energiewende. Auf dem Chengdu TSB Test Track standen Innovationen im Bereich der kohlenstoffarmen urbanen Mobilität im Fokus. Beim Besuch im Sichuan Energy Internet Research Institute und bei der Tongwei Group wurden erneuerbare Integration, intelligente Energiesysteme und nachhaltige Photovoltaikproduktion diskutiert. Diese Eindrücke verdeutlichten, wie nationale Klimaziele auf regionaler Ebene konkret umgesetzt werden und industrielle Transformationen anstoßen.
Im Verlauf der Reise wurden deutliche Unterschiede in Narrativen, politischen Treibern und institutionellen Strukturen zwischen der EU und China sichtbar. Gleichzeitig wurde klar, dass auf beiden Seiten ein starkes Interesse an konstruktivem Austausch, vertiefter Zusammenarbeit zwischen Think Tanks und der Identifikation konkreter Kooperationsfelder für die mittel- und langfristige Zukunft besteht. Gespräche mit chinesischen und internationalen NGOs erweiterten die Perspektive um zivilgesellschaftliche Blickwinkel und zeigten, wie bottom-up-Initiativen nationale Politiken sinnvoll ergänzen.
Das zentrale Fazit der Reise lautet: Der Weg zu wirksamer Klimakooperation führt über kontinuierliche Begegnung, gegenseitiges Lernen und offenen Dialog. Als durchführende Organisation dieses EU-finanzierten Projekts wird die Hanns-Seidel-Stiftung solche Formate weiterhin fördern und den evidenzbasierten Austausch zwischen europäischen und chinesischen Partnern im Bereich der grünen Governance unterstützen.