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Ländliche Entwicklung

In weniger als fünfzig Jahren ist China vom ärmsten Land der Welt zur Top-Wirtschaftsmacht aufgestiegen. Doch noch immer leben 30 Millionen Chinesen unterhalb der Armutsgrenze von nur zwei Dollar am Tag. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem Land und in der Stadt unterscheiden sich dramatisch. Die steigende Urbanisierung führt zu Landflucht. In vielen Dörfern leben kaum noch Menschen im erwerbsfähigen Alter – zurück bleiben Alte und Kinder. 60 Millionen Kindern müssen so ohne ihre Eltern aufwachsen, weil diese in den Städten arbeiten. Dem Standort Dorf fehlt es an Attraktivität.
Mit dem Repräsentanzbüro Shandong leistet die Hanns-Seidel-Stiftung einen wichtigen Beitrag zu Armutsminderung, mehr Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit in Chinas ländlichen Regionen. Hierbei haben wir stets die drei Ebenen Menschen, Politik und Verwaltung, sowie Wissenschaft im Blick. Im Folgenden möchten wir Ihnen konkrete Beispiele unserer Arbeit auf diesen drei Ebenen vorstellen:

Das Pilotprojekt Nanzhanglou
Das älteste unserer derzeit fünf Pilotprojekte – das Dorf Nanzhanglou in der Provinz Shandong - hat bereits vor 30 Jahren begonnen. Unsere Experten haben hier über Jahrzehnte ihr Know-how zur Verfügung gestellt und die lokale Verwaltung bei einer umfassenden Dorferneuerung und Flurneuordnung beraten. Hierbei wurde erstmalig im ländlichen China ein Bottom-up-Prinzip verfolgt, das Bürgerbeteiligung ermöglicht und den Bürger selbst als Experten für seinen Lebensraum in den Fokus setzt. 
Heute liegt das Pro-Kopf-Einkommen der Landwirte Nanzhanglous nur noch knapp unterhalb des durchschnittlichen Einkommens der umliegenden Städte. Zudem konnten neue Arbeitsplätze für Bauern, die nicht mehr in der Landwirtschaft tätig sein konnten, geschaffen werden. Entgegen dem Trend im ländlichen China ist die Bevölkerung Nanzhanglous gestiegen und junge Menschen sind aus den Städten zurückgekehrt. Die Gemeinde ist nicht verschuldet und bietet derzeit sogar Arbeitsplätze für das Umland. Es ist gelungen eine nachhaltige Veränderung herbeizuführen und das Dorf zu revitalisieren.

Delegationsreisen chinesischer Beamter nach Deutschland
In Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren aus Politik und Verwaltung veranstalten wir Delegations- und Studienreisen nach Deutschland. Vor Ort werden die Delegationsteilnehmer durch Vertreter des Bayrischen Amts für Ländliche Entwicklung begleitet. Im Gespräch mit Experten sowie Dorfbürgermeistern erleben die Teilnehmer bayrische Erfolgsgeschichten ländlicher Entwicklung hautnah und sehen, wie gelungene ländliche Entwicklung aussehen kann. Vor Ort lernen die Teilnehmer, dass die Menschen im bayrischen ländlichen Raum gleichwertig gut leben können, wie Menschen in den Städten und der weitere Weg des Dorfes maßgeblich von der Dorfgemeinschaft selbst definiert wird. Gleichzeitig zeigen wir ihnen, an welchen Stellen auch weiterhin Herausforderungen bestehen.
Unsere chinesischen Partner bringen von ihren Delegationsreisen zahlreiche neue Eindrücke, Anregungen und Erkenntnisse mit, die sie in ihre tägliche Arbeit auf lokaler, überregionaler und nationaler Ebene einfließen lassen und damit Transformationsprozesse anstoßen.

Wissenschaftlicher Diskurs in der Summerschool
In Kooperation mit der Renmin Universität Peking und der Technischen Universität München bieten wir jährlich eine Summerschool an. Hierbei erhalten junge Wissenschaftler die Möglichkeit, die deutsche Herangehensweise an die Entwicklung ländlicher Räume und ganz konkret im Landmanagement kennenzulernen. Die Ergebnisse fließen schließlich in den chinesischen Wissenschaftsdiskurs ein und bieten eine Grundlage für weitere strukturelle Veränderungsprozesse.